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Kuba - die Insel der Bioweltmeister
Biolandbau
kennt keine Grenzen - auch nicht im ideologischen Sinn. Von der Weltöffentlichkeit
kaum wahrgenommen, findet in Kuba das weltweit größte Experiment
im Biolandbau statt. 80 Prozent der kubanischen Bauern und Bäuerinnen
haben auf diese Produktionsmethode umgestellt - und der Erfolg spricht für
sich: Die Erträge sind höher als früher
Bis
Ende 1987 importierte Kuba 57 Prozent seines Nahrungsmittelbedarfs, zwei Drittel
davon stammten aus Ostblockstaaten. Als Anfang der 90er Jahre in Osteuropa
der Kommunismus zusammenbrach, fehlten plötzlich nicht nur die Lebensmittel,
sondern auch Dünge und Spritzmittel sowie die billigen technischen Hilfsmittel
für die Landwirtschaft. Von den USA war keine Hilfe zu erwarten - im
Gegenteil, sie verstärkten ihr Wirtschaftsembargo gegen das Regime Fidel
Castros.
Große
Teile der Bevölkerung mussten hungern. Doch der Selbstbehauptungswille
der KubanerInnen war stark. Sie machten aus der Not eine Tugend und setzten
eine "biologische Revolution" in Gang. Auf der Zuckerinsel boomen
nun BioLandwirtschaft, Solarenergie, KräNaturmedizin
und Öko-Tourismus. "Unsere Bauern mussten umdenken"; sagt Jose
Rodriguez Oruna vom Umweltministerium, "und sich mit bislang unbekannten
Dingen beschäftigen."
Sie bekämpfen
Schädlinge nicht mit chemischen Mitteln, streuen keinen Kunstdünger,
sondern rücken Schädlingen mit biologischen Methoden zu Leibe. Zum
Beispiel werden Ameisen auf den Süßkartoffelbohrer losgelassen.
Mischkulturen, Fruchtwechsel oder Wurmkulturen für nährstoffreicheren
Naturdünger sind mittlerweile weit verbreitet. Nach mexikanischer Tradition
setzt man nun zwischen Maispflanzen keine Unkräuter, sondern andere Nutzpflanzen
wie Maniok oder Bohnen.
Ein
Feld mit einer gemischten Kultur ist für Schädlinge weit weniger
anfällig als eine Monokultur. Überdies sind die Bohnen gleichsam
ein Ersatz für Stickstoffdünger, weil auf ihnen wie auf allen Hülsenfrüchtlern
Bakterien leben, die Stickstoff fixieren.
Eine Untersuchung
der University of California zeigte, dass auf 1 Hektar mit gemischter Kultur
ebensoviel Nahrung gedeiht wie auf 1,73 Hektar, die mit Mais in Monokultur
bestellt werden. Landwirtschaftliche Kooperativen und Privatbauern produzieren
mittlerweile die saubersten Nahrungsmittel der Welt.
Wegen der
geringen Industrialisierung der Insel fehlen auch solche Rückstände,
die über die Luft in die Nahrungskette gelangen könnten.
Die Erfolge
können sich sehen lassen. In den vergangenen Jahren wurden bei zehn Grundnahrungsmitteln
Rekordernten erzielt. Einen wichtigen Anteil daran hat das Regierungsprogramm
"Agricultura urbana".
Die Embargopolitik
der USA ließ Benzin zur Mangelware werden und verteuerte den Transport
von Lebensmitteln. Daher startete man den Versuch, die 2,5 Millionen EinwohnerInnen
Havannas über eigene Gartenanlagen zu versorgen. Inzwischen gibt es 8.000
städtische Gärten, in denen die Havanneros Salate, Bananen und Kartoffeln
ziehen -absolut biologisch.
Kubas Umstellung
auf organischen Landbau erregt auch international Aufsehen. Im vergangenen
Jahr-erhielt die Grupo de Agricultura Organica (GAO) in Stockholm den Alternativen
Nobelpreis, den Right Livelihood Award. Die Jury lobte, dass es der Organisation
um die endgültige Umstellung auf biologischen Landbau geht.
"Wir
wollen auch dann noch organisch wirtschaften, wenn die Krise vorüber
ist und Chemikalien wieder ins Land kommen", verkündet GAO-Präsident
Fernando FunesAguilar. Ein guter Ansatz, mit dem Kubas Biolandbau für
viele Länder in der "Dritten Welt", zum Vorbild werden kann.
Quelle:
Natürlich Leben 3/2002
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