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Gentechnik, ein gutes Geschäft
Die Macht der Pharmaindustrie ist enorm und wächst ständig weiter.
Sozusagen von der "Wiege bis zur Bahre" macht diese gigantische Industrie ihre
Geschäfte. Auch die Kontrolle der Nahrungskette ist ein eigentlich schon
erreichtes Ziel dieser Unternehmen.
Hier ein kleiner Ausschnitt zur Gentechnik, jetzt Biotechnologie genannt.
Die "Terminator-Technologie"
war eine logische Geschäftsidee. Statt Anwälte dafür zu bezahlen,
dass sie Bauern verklagen, wenn diese patentiertes Saatgut aus der letzten
Ernte zurückbehalten und wieder aussäen ("nachbauen",
konnte man das Saatgut auch genetisch so programmieren,
dass es gewissermaßen Selbstmord beging. Dadurch fielen die Erträge
zwar etwas geringer aus, und man verbesserte auch nicht unbedingt die Fähigkeiten
der Menschheit im Bereich der Pflanzenzucht, aber Monsantos Freunde im United
States Department of Agriculture (USDA), dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium,
halfen gerne. Wir wollen sie hier zitieren:
Monsanto: " Die Terminator-Technologie wird wichtige weltweite Saatgutmärkte, wo heute
das Saatgut noch aus der letzten Ernte abgezweigt und im nächsten Jahr
ausgesät wird, für den Verkauf transgener Produkte öffnen."
Willard Phelps,
Sprecher der US-Regierung: "Die wichtigste Funktion der Terminator-Technologie
besteht darin, den Wert des patentierten Saatguts im Besitz der US-Saatgutfirmen
zu erhöhen und neue Märkte in Ländern der Zweiten und Dritten
Welt zu eröffnen."
Melvin J. Oliver,
USDA-Wissenschaftler und an kein Unternehmen gebunden, erklärt: "Unsere
Mission besteht darin, die US-Landwirtschaft zu schützen und uns angesichts
der internationalen Konkurrenz wettbewerbsfähig zu machen. Und es gibt
keine andere Möglichkeit, patentiertes Saatgut zu schützen."
Nachdem die Pläne
weltweit für massiven Ärger gesorgt haben, hat sich Monsanto zunächst
bereit erklärt, die Markteinführung des Terminator-Saatguts zu
verschieben, bis weitere Untersuchungen über die ökologischen,
ökonomischen und sozialen Folgen abgeschlossen wären. Widerwillig
haben sie zugegeben, dass "wir ein gewisses Maß an öffentlicher
Akzeptanz für unsere Geschäfte brauchen." Dennoch wurde an
der Weiterentwicklung gearbeitet und man sicherte sich in vielen Ländern
die Patente.
Andere Firmen stellen
das Wohl der Pflanzen zugunsten kommerzieller Vorteile ebenfalls auf den
Kopf:
AstaZeneca (inzwischen
mit Novartis zur Syngenta verschmolzen) entwickelt Saatgut, das erst aufgeht,
wenn es mit den firmeneigenen Chemikalien behandelt wird.
Novartis (Syngenta)
entwickelt sogar Pflanzen, deren natürliche Resistenzen gegen Viren
und Bakterien beseitigt wurden.
Pflanzen, die steril sind, Pflanzen, die ohne Chemikalien sterben, Pflanzen,
die keine Widerstandskraft gegen Krankheiten haben sie gehören
zu den Errungenschaften der Biotechnologie-Konzerne. Und die Firmen behaupten,
Patente auf Leben seien notwendig, damit ein Unternehmen in diese Forschung
investieren könne.
Aber das ist noch nicht alles. Kontrolle über die menschlichen Nahrungsquellen ist nur
ein Teil von Monsantos Ambitionen. Um Bob Shapiro, bis zum Aufkauf durch
Pharmacia Upjohn Ende 2000 Vorstandsvorsitzender von Monsanto, zu zitieren:
"Es ist wirklich ganz einfach, jede Menge Geld mit den menschlichen
Grundbedürfnissen zu verdienen: Nahrung, Obdach, Kleidung."
Auch mit Wasser lassen sich gute Geschäfte machen
"Was Sie
hier sehen", sagte Robert Farley von Monsanto 1998, nachdem er
die Übernahme von Saatgutfirmen aus aller Welt beschrieben hatte, "ist
nicht nur eine Konsolidierung von Saatgutfirmen, sondern wirklich eine Konsolidierung
der gesamten Nahrungskette. Da Wasser für die Nahrungsmittelproduktion
ebenso zentral ist wie Saatgut, versucht Monsanto jetzt, das Wasser unter
Kontrolle zu bekommen. Wir planen, einen neuen Geschäftszweig mit Wasser
aufzubauen, zunächst in Indien und Mexiko, weil in diesen beiden Ländern
das Wasser knapp wird. Das sind die wichtigsten Märkte für uns
als Life-Science-Unternehmen, das der Welt Nahrung, Gesundheit und Hoffnung
geben will. Dort liegen unsere Chancen, gute Geschäfte zu machen."
Aus einem Monsanto-Strategie-Papier:
"Wir sind begeistert über das Potential einer Partnerschaft
mit der Weltbank in Joint-Vénture-Projekten auf sich entwickelnden
Märkten. Die Bank hat großes Interesse an einer Zusammenarbeit
mit Monsanto."
Viele Inder interpretieren
das so, dass Monsanto oder seine Nachfolgeunternehmen die lebenswichtigen
Ressourcen auf dem indischen Subkontinent unter ihre Kontrolle bringen wollen
und dabei ihre Investitionen aus öffentlichen Mitteln (der Weltbank)
finanzieren. Die indische Landwirtschaft wäre dann abhängig von
der Gnade eines privaten Unternehmens, das lediglich Profitinteressen verfolgt.
Im Jahre 2025 wird
Indien mehr Wasser brauchen, als dann auf dem Subkontinent zur Verfügung
steht. Die Krise wird sogar noch größer werden, wenn die Gletscher
im Himalaya, die im Sommer den Indus und den Ganges speisen, weiter abschmelzen.
Es gibt Prognosen, die davon ausgehen, dass diese Gletscher in 35 Jahren
verschwunden sein werden. Der Grundwasserspiegel in den meisten indischen
Staaten fällt um 1 Meter pro Jahr. Wasserversorgungsunternehmen werden
mehr an der Industrie als an armen Bauern und der durstigen Landbevölkerung
interessiert sein
Empfehlenswerte Bücher
Beatrix Tappeser: Welternährung und Gentechnologie.
Praxis und ethische Beurteilung, Wichern, Berlin 1998
Michael Emmerich: Im Zeitalter der Bio-Macht. 25 Jahre Gentechnik
Eine kritische Bilanz, Mabuse/PRO, Frankfurt 1999
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23.9.2005
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